Die Richtung stimmt – gemeinsam Kirche sein
- Katholische Kirche Rüschlikon
- vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen

Liebe Mitchristen
Einmal mehr – und ich hoffe, dass es das letzte Mal ist – kommt unser Newsletter aus dem Krankenbett. Nach der Stomarückverlegung bin ich in der Klinik Hirslanden. Von hier aus schaue ich jeden Tag auf den Albis und rätsle, wo genau Rüschlikon ist. Ein Fernglas habe ich nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in die richtige Richtung schaue, auch wenn ich keine Details erkennen kann.

Wie im Leben: Wichtig ist, die richtige Richtung zu kennen; die Details zeigen sich, wenn man näherkommt. Diese Erkenntnis mag banal klingen, ist mir aber sehr wichtig geworden. Auf die richtige Richtung kommt es an! Man sollte seine Zeit nicht damit verschwenden, noch dieses und jenes Detail zu entdecken, sondern mutig und beherzt losgehen. Wenn man spürt, dass die Richtung stimmt, dann sollte man auch den ersten Schritt wagen.
Absolute Sicherheit gibt es nicht, alles kann sich schnell ändern: nicht nur bei einem Erdbeben oder in der Strasse von Hormus, sondern auch im eigenen Leben und in den eigenen Plänen. Wir alle haben solche Erfahrungen gemacht. Wenn man auf absolute Sicherheit wartet, läuft man Gefahr, dass einem das Leben während des Wartens vorbeizieht.
Und da ist für mich der Glaube entscheidend: Ich glaube, dass Gott mich kennt und mit mir geht. Das gilt auch für unsere jungen Gefirmten, die am Sonntag dieses wichtige Sakrament empfangen haben, auch wenn Margrit und ich die Feier nur per Livestream vom Krankenzimmer aus auf dem Smartphone verfolgen konnten.
Gott geht mit allen, die eine Entscheidung treffen müssen. Mit allen, die neu anfangen müssen, ohne den geliebten Menschen an ihrer Seite. Mit allen, die sich beruflich neu orientieren. Der Gott, an den wir glauben, hat sich als Immanuel mitgeteilt: als Gott mit uns.
Diese eigentlich schon lange bekannte und häufig erwähnte Tatsache unseres Glaubens ist mir noch bewusster geworden, und ich möchte sie mit euch teilen: aus dem Krankenbett für das Leben!
Ich kann auch mitteilen, dass ich heute oder morgen nach Hause kann, sofern es keine Komplikationen gibt. Die OP ist gut verlaufen und ich hoffe, nicht mehr ins Krankenhaus zu müssen. Die Chemotherapie läuft noch bis Ende August, aber nur oral und eigentlich prophylaktisch. Die engmaschige Überwachung findet ebenfalls nur ambulant statt. Somit komme ich langsam in unser vertrautes und normales Leben zurück – Gott sei Dank.
Es gibt auch einiges zu tun: Seit Jahren arbeite ich als Pfarrer daran, mich so weit wie möglich überflüssig zu machen. Ich bin der Meinung, dass die Pfarrei aus sich heraus leben muss. Ich habe den Pfarreirat konstituiert; vor meiner Zeit gab es nur einen Arbeitskreis. Wir haben Statuten erarbeitet und genehmigen lassen, viel in die Rekrutierung fähiger Mitarbeitender investiert, die Stellenprozente im Büro zuerst von 30 auf 60 und nun auf 100 aufgestockt und ein gutes Team gebildet.
All dies soll dazu beitragen, dass ihr als Pfarreimitglieder merkt: Wir sind die Pfarrei! Wenn wir die Pfarrei mitgestalten, dann wird sie auch mehr unsere Pfarrei. Die Kirche der Zukunft ist nicht klerikal, sondern menschennah. Auch unser Bischof hat sich das auf die Fahne geschrieben und als sein Motto den Satz gewählt: „Homo via ecclesiae – der Mensch ist der Weg der Kirche.“ Damit ist jeder Mensch gemeint, dem die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden wichtig ist – und nicht als Machtapparat. Strukturen sind wichtig, aber sie dürfen kein Selbstzweck sein. Sie sollen den Menschen dienen und nicht umgekehrt.
Und in Rüschlikon sind wir da gut unterwegs.
Jetzt haben wir auch eine neue, engagierte Kirchenpflege. Jetzt können wir den anderen Pfarreien zeigen: Wir wagen es und wir gehen! Wir warten nicht ab, bis uns die Zukunft überrollt oder an uns vorbeigeht. Wir packen an und gestalten! Wir haben eine gute Infrastruktur und liegen mitten im Dorf. Wir schauen, was uns als Person, als Familie, als Altersgruppe und als Gemeinschaft dient, und wir fordern dies ein. Aber nicht nach dem Motto: „Macht mal!“, sondern: „Ich mache mit!“ So entsteht die neue Kirche, die wir alle sind.
Wir warten nicht ab, bis wir noch mehr Details erkennen, sondern packen an und gestalten unsere Kirche selbst. An dieser Stelle danke ich den Altgedienten und den Neugewählten!
Ein besonderer Dank gilt unserer langjährigen Seelsorgerin und der guten Seele unserer Pfarrei, Margrit Hafner. Sie wird am Freitag, beim Untifest, offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Sie hat sehr viel Herzblut in ihre Arbeit als Katechetin, als Seniorenseelsorgerin und als Zuhörerin eingebracht. Sie war wirklich die gute Seele unserer Pfarrei, und wir werden sie sicherlich vermissen. Aber sie bleibt die gute Seele in meinem Haushalt und wird ab und zu auch hier weilen – Laupersdorf ist ja nicht so weit.
Ich möchte Margrit nicht zu sehr loben – das kann man gar nicht genug! Aber ich möchte alle ermutigen, sich ein Beispiel an ihr zu nehmen. Es kommt auf jede und jeden an, und an Margrit sehen wir, worauf es ankommt: Jede und jeder kann diese Welt etwas menschlicher und schöner machen.
Ich sehe noch nicht alle Details, aber ich weiss, dass die Richtung stimmt. Lasst uns gemeinsam Kirche sein – nicht die Institution, nicht das System, sondern eine Gemeinschaft, die glaubt, lebt und hofft.
Gottes Segen, schöne Ferien und vor allem gute Gesundheit
Euer
Pfarrer Josip



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