Die unerschütterliche Hoffnung!
- Katholische Kirche Rüschlikon
- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit

Liebe Mitchristen
Wenn ihr diesen Newsletter liest, bin ich im Spital und in guten Händen, aber auch in einer herausfordernden Situation, der herausforderndsten in meinem ganzen bisherigen Leben. Nun ist all das, was ich in den letzten Newslettern geschrieben habe, zum Greifen nahe und nun geht es mit den grossen Schritten auf das Finale zu: OP, Reha, Leben ohne Krebs!
In dieser Zeit brauche ich Eure Gebete besonders und ich weiss, dass sehr viele täglich an mich denken, Kerzen anzünden und beten. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ich möchte in diesem Newsletter eine «zufällige» Erfahrung und eine tiefe Erkenntnis mit Euch teilen, habe aber auch eine grosse Bitte an diejenigen von Euch, die mir immer schon ihre finanzielle Unterstützung in einigen Projekten geschenkt haben. Aber schön der Reihe nach:

Die bewusst in die Klammer gesetzte «zufällige» Erfahrung (ich glaube nicht, dass das ein Zufall war: weder, dass ich Jesuitenschüler bin, noch dass ich vor Jahren diesem Netzwerk beigetreten bin) bezieht sich auf eine tägliche Impulsreihe des internationalen Netzwerkes der Jesuiten unter dem Motto «Stubborn hope» oder auf Deutsch «unerschütterliche Hoffnung» und täglichen geistreichen Impulsen über die Tageslesungen in der diesjährigen Fastenzeit. Diese haben mir viel gegeben und meine schon vorhandene Hoffnung, dass alles gut geht, noch verstärkt. Für diejenigen, die des Englischen mächtig sind (die anderen können es übersetzen lassen 😊) hier der Link https://ignatiansolidarity.net/blog/2026/ und dann auf Lent gehen.
Die unerschütterliche Hoffnung ist nicht nur für mich in meiner Situation wichtig, sondern sollte eine Grundhaltung der Christen sein! Ohne Hoffnung geht es nicht, und wir Christen sind die letzten, die dieses Licht hochhalten! Die Welt braucht Hoffnung, die uns Mut macht, unser Leben zu leben! Ostern ist der Gipfel dieser Hoffnung, weil eine ganz neue Perspektive eröffnet wird: das ewige Leben!
Die tiefe Erkenntnis, die ich mit Euch teilen möchte, wurde mir während einer Autofahrt vor 2-3 Wochen geschenkt: wenn man so allein im Auto sitzt, kommen einem viele Gedanken, dass kennt ihr bestimmt. Und da kreisten wieder die vertrauten Fragen «Warum hat es mich getroffen?» Ich werde doch gebraucht, ich habe so viel vor, ich habe eigentlich gar keine Zeit, krank zu sein… Es sind doch so viele, die ihre Zeit unnütz vergeuden, die gar nicht fehlen würden, wenn sie ausfallen, warum trifft es nicht solche, statt mich…
Abgesehen von der mir bewusst gewordenen Überheblichkeit und massloser Selbstüberschätzung, die ich in solchen Gedanken sehe, ging mir auf einmal (irgendwo auf der Autobahn A1 zwischen Oensingen und Egerkingen) auf, dass ich enormes Glück habe, dass ich mit dieser Diagnose und dieser Krankheit in der Schweiz bin und nicht in Bosnien, wo ich geboren bin, oder anderswo auf der Welt, wo das Gesundheitssystem nicht annährend so gut ist wie hier!
Ich dachte daran, dass Gott schon vor über 20 – 30 Jahren gewusst hat, dass ich diese Diagnose (warum auch immer) bekommen werde und schon damals mich so geführt hat, dass ich jetzt hier bin und bestmögliche Behandlung bekomme. Statt zu grollen über meine Diagnose, habe ich angefangen Gott zu danken! So genial und so ermutigend! ER weiss von mir und geht mit mir mit! Das war so intensiv und so schön, dass ich feuchte Augen bekommen habe (macht nichts, ich war allein im Auto 😊). Da ist mir aufgegangen, dass man fast alles so oder so sehen kann. Und das von der Entscheidung, wie ich es sehe, vieles abhängt! Nicht zuletzt meine Resilienz und die Fähigkeit, meine inneren Kräfte zu mobilisieren und gegen die Krankheit anzukämpfen! Die Tatsache, dass der Kampf an bestem Ort der Welt passiert und ich den besten Support bekomme, wirkt stärkend! Vielleicht wird jemand sagen: das ist nur eine Einbildung! Das kann sein, aber ganz pragmatisch: das hilft mir mehr – auch wenn es eine Einbildung wäre, was es für mich nicht ist – als wenn ich herumjammere und mich selbstbedauernd in eine Ecke verkrieche! So viele Menschen haben mir versichert, an mich zu denken, wofür ich dankbar bin! Diese Erfahrung zeigt mir, dass auch Gott bei mir ist, und das gibt zusätzliche Kraft! Das sprichwörtliche Licht im Dunkel! Und die innere Gewissheit: am Ende kommt es gut! Wenn es nicht gut ist, ist es auch nicht das Ende! 😊
Und nun das dritte Anliegen, das ich oben angekündigt habe: eine Bitte. Viele von Ihnen haben manche Projekte, die wir als Pfarrei oder ich als Pfarrer von Rüschlikon umgesetzt habe, unterstützt. Einige waren in der Lage, auch grössere Beträge zu spenden, ohne sich dabei in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Dafür bin ich dankbar und klopfe noch einmal an: Seit Jahren suche ich die Wege, die Friedensorgel in meinem Heimatdorf Vidovice nach der Überschwemmung 2014 wieder aufzubauen. Ich habe zwar im Jahr 2016 eine «Notlösung» gefunden (Mit Hauptwerk, einer Software, die mit Samples eine Orgel vorgaukelt) und installiert, aber es ist keine richtige Orgel. Es tönt zwar so, aber es ist Fake. Nun habe ich mit dem Orgelbauer eine pragmatische Lösung gesucht und gefunden: statt die Beste Solution zu machen (Renovation und Vergrösserung auf 47 Register, damit sie wieder – wie damals – die grösste Orgel des Landes ist, was ca. 450.000 € gekostet hätte) machen wir die pragmatische: Renovation auf dem Stand von damals: 37 spielende Register und damit auch eine solide Konzerttauglichkeit. Diese kostet «nur» 250.000 €. Dazu hat mir der Orgelbauer einen «persönlichen Rabat von 70.000 €» wegen meiner Situation gewährt. Also bleiben noch 180.000 €.
Nun, wir haben in den vergangenen 12 Jahren auch Einiges gesammelt (unter anderem auch unsere Kollekten und Mitgliedsbeiträge) und an Zuwendungen (eine namhafte Spende der Gemeinde Rüschlikon, eine Zuwendung aus dem Budget der Auslandshilfe der Kirchgemeinde Thalwil – Rüschlikon, einige grössere Spenden einer Stiftung aus dem Ausland) bekommen, so dass wir auf dem Vereinskonto rund 100.000 Euro haben (Gott sei Dank ist der Franken z. Z. so stark) und so konnten wir die ersten 50%, die beim Vertragsabschluss fällig sind, aufbringen.
Den Rest hoffe ich, bis zur Abnahme der Orgel (13.06.2026) zu sammeln, wobei ich schon einige Spendenzusagen habe (ca. 50.000€) und die Zusage des Orgelbauers, dass er – wenn nötig – auch ein paar Monate warten wird. Ich weiss, dass 40.000 € viel Geld ist, aber ich war noch nie so nah dran, dieses Projekt, das mir seit 12 Jahren auf den Schultern lastet, zu beenden. Und darum habe ich diesen ungewöhnlichen Weg gewählt: wer sich in der Lage sieht und willens ist, etwas beizusteuern, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt dafür!
Entweder über unser Pfarreikonto mit dem Vermerk «ORGEL DES FRIEDENS» oder (besser) direkt auf das Konto des Vereins in Franken CHF (IBAN CH13 0900 0000 8537 4638 2) oder in Euro (IBAN CH51 0900 0000 9190 7936 9), Begünstigter: Verein „Freunde der Friedensorgel Vidovice“ Schloss –Strasse 28 CH - 8803 Rüschlikon. Jede Spende ist willkommen, danke! Nach dieser Aktion (wenn alles bezahlt ist) wird der Verein aufgelöst und das Konto geschlossen.
Die Arbeiten haben schon – in Absprache mit dem Ortspfarrer – am 23.03. begonnen und sollen bis zum 15.06.2026 fertig sein. Dieses Datum ist Vidovdan (Vitus – Tag) und Patronatsfest unserer Pfarrei und des Dorfes Vidovice. An diesem Tag soll die neue/alte Orgel neu geweiht werden.
So, jetzt hoffe ich, dass ich mit meiner «zufälligen» Erfahrung und meiner wunderbaren Erkenntnis die restlichen Tage der Karwoche bereichern und euch gut auf Ostern einstimmen kann. Ich hoffe auch, meine Bitte auf offene Ohren stösst und ihr mir hilft, das Projekt zu beenden. Vor allem hoffe ich aber, dass all das, was jetzt kommt, gut geht, die Ärzte in Hirslanden gute Arbeit machen, ich mich gut erhole und wir bald wieder gemeinsam feiern können! Bleiben wir im Gebet verbunden und feiern wir das Leben, über den Tod hinaus! So werden wir unser Christ-sein neu entdecken und Hoffnung in diese zerrüttete Welt bringen!
Seid gesegnet, bleibt gesund und tragt Licht in die Dunkelheit der Welt!
Euer Pfarrer Josip
PS: ich werde mich nach der OP mit einem kurzen (wirklich! 😉) Newsletter hier melden, damit nicht alle immer wieder anrufen müssen und sich sorgen machen! Es kommt gut!



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